Forschung - Neue Büro- und Arbeitswelten

Veränderung der Arbeitswelt führt zu neuen Bürolandschaften

Schon die letzten Jahre haben gezeigt, dass sich unsere Arbeitswelt stetig verändert: Der Trend vom Einzelbüro verlagert sich zum Großraumbüro, innovative Technologien müssen in den Arbeitsalltag integriert werden, neue Arbeitsformen entstehen. Viele Unternehmen setzen bei der Neugestaltung von Arbeits- und Bürowelten ihren Fokus vor allem auf die Effizienzsteigerung von Gebäuden und Flächen.

Büroimmobilien werden gestaltet, die wirtschaftlich, energieeffizient, zunehmend automatisiert, normgerecht und zertifiziert sind. Welche Bedürfnisse und Erwartungen die Nutzer an eine moderne Arbeitsumgebung haben, wird jedoch leider meist völlig außer Acht gelassen. Attraktiv gestaltete Bürolandschaften kollidieren oft mit hörbaren, sichtbaren und spürbaren Umwelteinflüssen, die

  • zum Verlust der Privatsphäre und
  • zu Ablenkung,
  • Stress oder Unbehagen

der dort arbeitenden Menschen führen.

Arbeitsplatzgestaltung - Beachtung verschiedener Einflussfaktoren

Arbeitsplätze entstehen ohne Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse unterschiedlicher Altersgruppen oder mit fehlenden Voraussetzungen für Wissenstransfer, Kreativität, Kollaboration, Kommunikation und Technologienutzung. Es fehlen klar definierte Strategien für eine optimale Workplace-Modernisierung. Aus diesem Grund müssen Arbeitsräume vielmehr als umfassender Wertschöpfungsfaktor genutzt und Flächen so gestaltet werden, dass es zu einer vollständigen Ausschöpfung des Engagements der Beschäftigten, Steigerung der Innovationskraft, Unterstützung der Agilität der Organisation und Förderung des Arbeitgeberimages kommt.

Effiziente Gestaltung einer modernen & flexiblen Arbeitswelt

Zu einer modernen, zukunftsorientierten Arbeitswelt zählt auch das mobile Arbeiten – ortsunabhängig und flexibel von überall auf der Welt. Die technologische Entwicklung ermöglicht eine immer stärker werdende virtuelle Arbeit. Mobile Endgeräte wie Tablets oder Smartphones führen zu hoch flexiblen und multilokalen Arbeitsformen. Damit einhergehend entsteht ein temporärer oder dauerhafter Flächenleerstand in Unternehmen – die durchschnittliche Büronutzung liegt bei lediglich ca. 1/3 des Arbeitstages, Einzelbüros werden meist nur 20 % des Tages genutzt.

Kostenreduzierung durch Flächenoptimierung

Besonders das Facility Management sieht in diesem Zusammenhang hohes Potenzial zur signifikanten Kostensenkung. Denn ein Arbeitsplatz in abgeschlossenen Bereichen benötigt ca. 15-18 m² Fläche, im Großraumbüro reduziert sich die Fläche auf 8-10 m². Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswissenschaft und Organisation ermittelte, dass durch Flächenoptimierung dauerhaft durchschnittlich 30 % der Miet- und Unterhaltskosten reduziert werden können. Außerdem entstehen auf diese Weise auch neue Gestaltungsmöglichkeiten für Kernaktivitäten.

Ein innovationsförderlicher Workplace für Wissensarbeit

Mit dem wirtschaftlichen Wandel einhergehend, kommt es zur Erhöhung von interaktiven, geistigen und kommunikationsorientierten Tätigkeiten. Damit ein Unternehmen wettbewerbsfähig und erfolgreich bleibt, müssen Innovationen geschaffen werden, die abhängig sind von Wissensarbeit. Stetig wachsende Anforderungen an die Leistungsfähigkeit und Effizienz der Mitarbeiter sorgen dafür, dass die Arbeit neu organisiert werden muss. Es kommt zu mehr Zusammenarbeit, Selbstorganisation und einer kontinuierlichen Weiterentwicklung.

Effizienter Arbeitsplatz für Wissensarbeit

Wissensarbeiter sind daran interessiert, sich aktiv an dem betrieblichen Geschehen zu beteiligen und wünschen einen überall verfügbaren, personalisierten Zugang von Arbeitsmitteln. Da aber die soziale Interaktion mit Kollegen auch eine wichtige Rolle für Wissensarbeiter spielt, gilt es das Büroumfeld kreativfördernd zu gestalten. Büroflächen sollten so beschaffen sein, dass sie die Kommunikation ermöglichen und Raum für spontane Vernetzungen bieten.

Ruhebereiche ermöglichen Abwechslung

Es gilt Arbeitsbereiche und Ruhezonen zu gestalten, die einen Wechsel zwischen fokussierter und kreativer Arbeit ermöglichen. Außerdem soll die körperliche Bewegung das Gehirn zusätzlich aktivieren. Neben Team Spaces im Großraumbüro, die einen schnellen Wissensaustausch ermöglichen, gilt es als ebenso Räume für Inspiration und Ruhe zu schaffen – beispielsweise Fokus-Räume oder Think Tanks.

Ökologische Innenraumgestaltung für ein Green-Office

Steigende Energie- und Rohstoffkosten führen dazu, dass eine umweltfreundliche und ressourcenschonende Gestaltung von Büroimmobilien immer mehr an Bedeutung gewinnt. Schon heute setzen Unternehmen bei der Errichtung oder Modernisierung von Büros auf ein sogenanntes Green-Office – aus der gleichnamigen Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO geht hervor, dass bereits 46 % der befragten deutschen Unternehmen konkrete Maßnahmen umgesetzt haben. Außerdem wird sichtbar, dass die Investitionsbereitschaft für eine grüne Innenausstattung ebenfalls vorliegt. Zwar gaben nur 7 % der Studienteilnehmer an, dass sie über ein vollständig eingerichtetes Interieur an umweltfreundlichen Möbeln aus recycelfähigen oder recycelten Materialien verfügen, dennoch besteht bei 40% der Befragten die Innenraumausstattung aus ökologischen Möbeln.

Gesundheitsförderliche Arbeitsplätze für Mitarbeiter

Um Ausfallkosten aufgrund von gesundheitlichen Schäden zu reduzieren und die Gesundheit der Mitarbeiter zu fördern, setzen auch immer mehr Unternehmen auf die Integration von natürlichen Elementen wie Wasser und Pflanzen in Büroräumen. Nach Angaben Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP kann das gesundheitliche Wohlbefinden durch eine angenehme Luftqualität und Raumakustik deutlich gesteigert werden. In Anbetracht der Ergebnisse des aktuellen Gesundheitsreport der Deutschen Angestellten Krankenkasse, dass Atemwegs- und psychische Erkrankungen mit zu den häufigsten Arbeitsunfähigkeitsgründen zählen, wird deutlich, dass es sich lohnt, in ökologische Klima- und Akustiksysteme zu investieren.

Generationen am Arbeitsplatz zusammen bringen

Unternehmen stehen heute vor der großen Herausforderung, unterschiedlichen Generationen einen Arbeitsplatz zu bieten, der den einzelnen Bedürfnissen und Ansprüchen gerecht wird. Ältere Kollegen benötigen Arbeitsplätze und Büroräume mit dem besonderen Komfort an Ergonomie, beispielsweise in Form von Zusatzleuchten. Junge Arbeitnehmer, die derzeit in das Berufsleben eintreten, streben hingegen nach einer flexiblen Arbeitswelt mit privaten Rückzugsmöglichkeiten, Kreativ-Räumen und Lounges für mentale Pausen – so Ergebnisse aus einer internen Studie der Daimler AG.

Veränderte Ansprüche der jungen Nachwuchskräfte

Nicht nur ein attraktives Gehalt ist den jungen Nachwuchskräften heute wichtig – vielmehr wünscht sich die neue Generation einen Arbeitsort, an dem sie genügend Freiraum haben, sich zu verwirklichen. Genügend Flexibilität bei der Arbeitszeit- und -ortsgestaltung ist ebenso wichtig, wie ein modernes Office, das zum Brainstorming und zur sozialen Interaktion mit Kollegen einlädt. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum Thema Wertewandel 4.0 sehen Arbeitnehmer einen positiven Trend für deren neue Erwartungen – sie gehen davon aus, dass im Jahr 2030 eine kreative Gestaltung des eigenen Berufsbildes oder die Realisation individueller Ansprüche eher erfüllt werden kann als heute.

Verschiedene Generationen arbeiten länger zusammen

Auch Gründe wie verkürzte Ausbildungszeiten und Erhöhung des Renteneintrittsalters tragen dazu bei, dass verschiedene Generationen mindestens 10 Jahre länger als bisher miteinander arbeiten müssen. Arbeitgeber müssen entsprechend reagieren, um die generationsübergreifenden Bedürfnisse in Einklang zu bringen.¹

¹Vgl.: Klaffke, M. (2016), Arbeitsplatz der Zukunft, Gestaltungsansätze und Good-Practice-Beispiele